Bella Martha

Handlung

Die gefeierte Spitzenköchin Martha ist in der Küche des Restaurants Lido die perfektionistische Chefin, zu Hause aber eine einsame, unsichere Frau, die sich in der Kommunikation mit anderen Menschen schwer tut. Als ihre Schwester bei einem Autounfall ums Leben kommt, nimmt Martha ihre kleine Nichte Lina bei sich auf, die ihr sonst so geordnetes Leben durcheinander bringt. Auch in der Restaurantküche gibt es eine unangenehme Veränderung: Ihre Chefin hat zur Verstärkung den italienische Spitzenkoch Mario an Marthas Seite geholt. Während Martha noch versucht, den Konkurrenten zu vertreiben, freundet der sich mit der kleinen Lina an. Und ganz langsam auch mit Martha.

Meinung

Der Film „Bella Martha“ zeigt eine Geschichte der leisen Töne. Mit viel Sorgfalt hat Drehbuchautorin und Regisseurin Sandra Nettelbeck ihre Charaktere entwickelt, und das immer mit viel Respekt vor den Figuren. So können wir uns über Marthas Perfektionismus amüsieren und sind gleichzeitig von ihren Zwängen traurig berührt. Kochen als einziges Mittel seine Gefühle auszudrücken, haben wir zwar in vielen anderen Filmen schon gesehen, doch selten der Figur dort geglaubt. Ganz anders in diesem Film, wo Marthas Zwang zum Kochen, ihre einzige Möglichkeit Leid zu lindern, von Sandra Nettelbeck überzeugend inszeniert wurde. Besonders die Tatsache, dass Martha selbst nie Appetit hat und ungesund wenig Nahrung zu sich nimmt, ist ein spannender, ambivalenter Charakterzug, den die Figur der Martha noch einmal glaubwürdiger macht. Neben den gut gezeichneten Charakteren überzeugt das Drehbuch auch mit schön gebauten Spannungsbögen, indem es häufig Informationen für den Zuschauer zurück hält und Zusammenhänge erst später auflöst. Die Handlungsstränge sind glaubhaft und realistisch miteinander verknüpft.


Nur als Linas leiblicher Vater aus Italien kommt, um seine Tochter abzuholen, und Martha ihm als Fremden die Kleine noch am selben Tag mitgibt, überzeugt wenig und bricht mit Marthas sonst so nachvollziehbar gezeichnetem Charakter.


Ebenfalls großartig ist die Riege der Darsteller, die von der Regie zu tollen Leistungen animiert wurde. Allen voran steht Martina Gedeck in der Rolle der Martha, die anrührend und intensiv eine suchende Frau zeigt, die sich auf zwischenmenschlichen Ebenen nur schwer zurecht findet. Auch Sergio Castellitto in der Rolle des italienischen Spitzenkochs Mario erfrischt mit viel Charme und Warmherzigkeit. Der Look des Films ist an Marthas Seelenzustand angelehnt. Wir sehen kalte, fast surreale Farben, die so stark entsättigt sind, dass die Gesichter unnatürlich weiß und teilweise ungesund aussehen. Während zu Beginn des Films die Bilder mit einer kitschigen, nichts sagenden Kaufhausmusik unterlegt sind, entwickelt der Film nach und nach sensiblere Klänge. Doch leider übertönen Musik und Nebengeräusche immer wieder die Dialoge. Insgesamt erzählt der Film „Bella Martha“ schlüssig, mit viel Gefühl und üppiger Küchen-Ausstattung die Wendezeit einer überspannten Frau.

Bello Film.


Zur nächsten Filmkritik: Der ewige Gärtner


Martha: Martina Gedeck
Schwester: Sandra Nettelbeck
Lina: Maxime Foerste

Chefin: Sibylle Canonica
Mario: Sergio Castellitto

Regie: Sandra Nettelbeck | Deutschland, 2001

Länge: 102 min | FSK: o.A. | Buch: Sandra Nettelbeck | Kamera: Michael Bertl | Ton: Luc Yersin | Szenenbild: Thomas Freudenthal | Schnitt: Mona Bräuer | Musik: Keith Jarrett, Arvo Pärt | Produktion: Pandora Film


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