Alles über Eva
Handlung
Der Theaterstar Margo Channing feiert einen Erfolg nach dem anderen auf den New Yorker Bühnen der Fünfziger. Die Frau ihres Bühnenautors stellt ihr die schüchterne Eva vor, die ein großer Bewunderer von ihr ist. Bezaubert von dem unschuldigen Mädchen nimmt Margo sie in ihr Haus auf. Doch allmählich finden Margos Freunde ihrer Meinung nach zu großes Gefallen an der jungen Eva. Auch ihr Freund und Regisseur Bill äußert sich bewundernd über Eva und in Margo beginnt die Eifersucht zu wachsen.
Als Eva schließlich hinter ihrem Rücken zu ihrer zweiten Besetzung ernannt wird, kann Margo ihre Eifersucht nicht mehr beherrschen und legt allen eine Szene hin. Und langsam erkennen auch ihre Freunde, dass die so unschuldig wirkende Eva mit allen Wassern gewaschen ist und für eine Rolle am Theater über Leichen gehen würde.
Meinung
„Alles über Eva“ ist ein sehr besonderer Film, wenn man bedenkt, dass er bereits 1950 entstanden ist. Mit einer unverschämt ironischen und frechen Sicht auf das Theater und dessen Stars führt uns Drehbuchautor und Regisseur Joseph L. Mankiewicz in seinen dialoglastigen und dabei trotzdem so temporeichen Film ein. In den Mittelpunkt stellt er die Frauen, die Schauspieldiven der fünfziger Jahre. Da gibt es Margo Channing, den Star, der es geschafft hat, der aber mit seinen vierzig Jahren Angst vor dem eigenen Altern und gleichzeitig vor der Jugend der Anderen hat. Und die talentierte Jungschauspielerin Eva, die mit aller Macht und allen Mitteln versucht, ihren Durchbruch auf der Bühne zu erlangen, dabei nach außen das zurückhaltende, demütige Mädchen gibt, das Jedem zu gefallen weiß. Und das aufstrebende Starlet, das mit Charme und Kontakten versucht, an ein Vorsprechen zu kommen. Es ist das klassische Dummchen, verkörpert von der damals noch unbekannten Marilyn Monroe in einer für ihre späteren Verhältnisse Mini-Rolle.
Die spiellustigen und theatralischen Darstellerinnen zeichnen meisterhaft die impulsiven Charaktere. Mit spitzer Zunge feuert die alternde Diva Margo ihren Freunden und Feinden herrlich bissige Textpassagen an die Köpfe, die Dialoge hat Mankiewicz stets mit enormen Wortwitz und scharfsinnigen Beobachtungen gewürzt. Die rasanten Wortwechsel sind ein Genuss für die Ohren, die scharfzüngige Bette Davis in der Rolle der Margo in ihrem Spiel ein Genuss für die Augen. Nur die aalglatte Eva hat Mankiewicz zu Anfang des Films ein wenig zu unbedarft, einfältig und anbiedernd inszeniert und sie für den späteren charakterlichen Bruch für den Zuschauer überzeichnet. Weniger wäre glaubwürdiger und deshalb für die Wendung bezüglich ihres wahren Charakters überraschender gewesen. Mit über zwei Stunden ist die Länge des Films beträchtlich, vor allem wenn man bedenkt, dass fast nur gesprochen wird. Er ist aber mit so viel Tempo und Spannung inszeniert, dass die Zeit sehr schnell vergeht.
Und am Ende scheint die Geschichte sich zu wiederholen: Eva hat als Schauspielerin den Durchbruch errungen, kommt einsam von einer Preisverleihung in ihre Hotelsuite. Dort wartet ein unbedarftes, schüchternes Mädchen, das vorgibt ein großer Fan von ihr zu sein. Dankbar für die Anerkennung nimmt Eva sie in ihre Dienste, ohne sich selbst in der jungen Frau zu sehen. Evas Wunsch nach Erfolg und Anerkennung zeigt uns Mankiewicz so überzeugend, dass wir dem Charakter Eva tatsächlich glauben, wenn sie ebenfalls auf die Lügen einer jungen Nachwuchsschauspielerin herein fällt.
Bissiger Genuss für die Ohren.
Zur nächsten Filmkritik: Schwarze Katze, weißer Kater
Margo Channing: Bette Davis
Eva: Anne Baxter
Bill: Gary Merrill
Frau des Bühnenautors: Celeste Holm
Bühnenautor: Hugh Marlowe
Starlet: Marilyn Monroe
Regie: Joseph L. Mankiewicz | USA, 1950
Länge: 133 min | FSK: an 6 | Buch: Joseph L. Mankiewicz | Kamera: Milton R. Krasner | Ton: W. D. Flick, Roger Heman | Szenenbild: Lyle Wheeler, Georg W. Davis | Schnitt: Barbara McLean | Musik: Alfred Newman | Produktion: 20th Century Fox
