Absolute Giganten
Handlung
Floyd hat gerade seinen letzten Tag auf Bewährung hinter sich gebracht und auf einem Frachter Richtung Kapstadt angeheuert, der am nächsten Tag auslaufen wird. Zum Abschied ziehen er und seine besten Kumpels Ricco und Walter durch das nächtliche Hamburg, müssen vor wütenden Elvis-Fans fliehen, gewinnen gegen den Meister Snake und seinen Kumpel Dulle im Tischfußball und sammeln die kleine Nachbarin Telsa auf, die mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus muss. Doch langsam neigt sich die Nacht dem Ende zu und der Abschied rückt immer näher.
Meinung
„Absolute Giganten“ zeigt uns ein Hamburg aus der Perspektive der unteren Hälfte der Gesellschaft, eine Gruppe von Losern, die sich ihrer Position bewusst sind und sich trotzdem über kleine Gewinne freuen können. Der Film reduziert bewusst Handlung und Geschichte, will stattdessen auf die kleinen Dinge und Begegnungen, Leiden und Freuden des Lebens aufmerksam machen. So passiert in „Absolute Giganten“ recht wenig, auf jeden Fall wenig, was die Handlung voran treiben würde. Denn während die drei Freunde von einem Desaster ins Nächste schlittern, beginnen wir uns als Zuschauer zu langweilen. Die Gags sind nicht lustig genug, die Szenen nicht dramatisch genug und die Stimmung nicht melancholisch genug, als dass sie ausreichend von der nicht vorhandenen Geschichte des Films ablenken würden.
Das Zusammentreffen der einzelnen Protagonisten wirkt sehr konstruiert, weil Drehbuchautor und Regisseur Sebastian Schipper immer wieder die selben von ihm eingeführten Charaktere zufällig aufeinander treffen lässt, was in so einer großen Stadt wie Hamburg als sehr unwahrscheinlich erscheint. Die Begegnung mit den Elvis-Fans kommt nicht nur unlustig daher, sondern wirkt auch als ein zu gewollter Auslöser für eine Verfolgungsjagd. Mit Ausnahme von Riccos herrlichen Rap-Einlagen scheinen auch die wenigen Dialoge an den Menschen vorbei geschrieben, sind zu vollgestopft mit künstlicher Poesie und angedeuteter Zweideutigkeit. Dass einige der Darsteller Laiendarsteller sind, merkt man ihnen leider auch manches Mal an. Wirklich überzeugen kann dagegen Florian Lukas in der Rolle des Riccos, dessen Unruhe, Sprüche und Gehabe wir ihm eins zu eins abkaufen. Der „maritime“ Soundtrack mit traurigem Akkordeonspiel wirkt für den Spielort Hamburg etwas zu dick aufgetragen, unterstützt aber die melancholische Stimmung der Nacht, besonders bei Sonnenaufgang am Ende des Films, wo man schon grübelt, ob wenig nicht einfach nur real ist.
Kleinigkeiten sind hier Trumpf.
Floyd: Frank Giering
Ricco: Florian Lukas
Walter: Antoine Monot
Snake: Jochen Nickel
Dulle: Guido A. Schick
Telsa: Julia Hummer
Regie: Sebastian Schipper | Deutschland, 1998
Länge: 76 min | FSK: ab 6 | Buch: Sebastian Schipper | Kamera: Frank Griebe | Ton: Heino Herrenbrück | Szenenbild: Andrea Kessler | Schnitt: Andrew Bird | Musik: The Notwist, Sophia | Produktion: X Filme Creative Pool

