A hole in my heart


Handlung

Der siebzehnjährige Eric lebt mit seinem Vater Rickard in einer kleiner Wohnung. Die junge, hübsche Tess und der muskulöse Geko wohnen vorübergehend ebenfalls dort und schlafen miteinander, während Rickard sie dabei filmt. Eric versucht, sich von dem Geschehen außerhalb seines Zimmers abzuschotten und flüchtet sich in düstere Fantasien. Er liebt Tess, die von seinem Vater und Geko regelmäßig gedemütigt wird. Und Rickard liebt seinen Sohn, weiß aber nicht, wie er ihm näher kommen soll. Und Geko liebt Tess und Rickard, will aber eigentlich nur weg. Und während Eric und Tess sich langsam näher kommen, fallen sein Vater und Geko immer tiefer.


Erst als Eric erfährt, das sein Vater als Kind von seinem Vater vergewaltigt wurde, hört er auf ihn zu hassen und beginnt ihm helfen.

Meinung

„A hole in my heart“ verläuft nicht nach konventionellen Strukturen, ist weit entfernt von einer konventionellen Handlung. Es gibt kein Drehbuch. Der Regisseur Lukas Moodysson will, das die Schauspieler sich selbst spielen, zum Handlungsverlauf gibt er nur wage Ansagen. Die Kamera wackelt über jeden dokumentarischen Stil hinaus, sie zoomt und stellt per Autofokus scharf, ein inszeniertes „Big Brother“, wo Markennamen und Statistengesichter verpixelt werden. Moodysson zeigt uns kaputte und verletzte Seelen, mit verzerrten Weitwinkelaufnahmen und dem Look von Überwachungskameras.

Gleich am Anfang des Filmes erzählt uns der Protagonist Eric eine Geschichte, eine Metapher für Liebe, die so krank wie schön klingt. Es ist die Geschichte vom ersten Menschen, der zwei Köpfe, vier Arme und vier Beine besaß. Und durch eine Strafe Gottes wurde er von einem Blitz getroffen und zweigeteilt. Seit dem hat der Mensch nur noch einen Kopf, nur zwei Arme und zwei Beine, und das bis heute. Doch dem Menschen fehlt etwas, seine zweite Hälfte, nach der er seitdem immer auf der Suche ist. Zwischen all den Körperöffnungen, Widerlichkeiten und Ekel in Moodyssons Film versteckt sich immer wieder kleine Poesie. Und wenn in Erics Zimmer ein Strick von der Decke baumelt, Rickard und Geko Tess vergewaltigen wollen, weil diese sie nachgeäfft hat, und Eric seinen Vater mit einer Luftpistole anschießt, fühlen sich doch alle in der kleinen Wohnung wohler als außerhalb von ihr. So flieht Tess zwar nach der versuchten Vergewaltigung ins Freie, kehrt aber schließlich mit gefüllten Einkaufstaschen in die Wohnung zurück, denn es war „so schrecklich da draußen!“

Zu den schockierenden Bildern des Films läuft im Hintergrund banaler Teenie-Pop und wenn der Film uns Erics Sicht auf die Welt zeigt, ertönt ein Rauschen, wie in es wohl Babys im Bauch der Mutter hören. Auf verschiedenen Erzählebenen zeigt Moodysson uns in einem teilweise rasanten Schnitttempo vier Menschen am Abgrund, die sich genauso abstoßen wie sie sich brauchen. Einstellungen von Web-Cams, Hand- und Überwachungskameras werden gekonnt und verstörend montiert, die Grenze zwischen Realität, Traum und Spiel verwischt, auch in den Handlungen der Protagonisten.


Und wenn am Ende Eric seinem verkaterten Vater unter die Dusche hilft statt ihm wie am Anfang des Films ein Glas Wasser aus der Toilette zu geben, Eric und Tess die Wohnung verlassen, um Waschen zu gehen, dann sind wir tatsächlich überrascht, dass Moodysson uns ein so versöhnliches Ende anbietet. Trotzdem sollten zart Besaitete diesen Film meiden.


Optische und inhaltliche Abgründe.

von Tora Stern



Rickard: Thorsten Flinck
Eric: Björn Almroth

Tess: Sanna Brading
Geko: Goran Marjanovic

Regie: Lukas Moodysson | Schweden, 2004

Länge: 94 min | FSK: ab 18 | Buch: Lukas Moodysson | Musik: Rasmus Thord | Produktion: Memfis Film